Archiv der Hansestadt Lübeck

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Tektonik: 04 Gemeindevertretung und Behörden nach 1937
. 04.04 Schule und Kultur
..Bestand: 04.04-1/7 - Theaterbehörde/Bühnen der Hansestadt Lübeck


Vorwort: 1. BEHÖRDENGESCHICHTE
2. INTENDANTEN DES THEATER LÜBECK
3. BESTANDSGESCHICHTE
4. METHODEN DER ORDNUNG
5. VERZEICHNIS

1. Behördengeschichte

Wie überall in Deutschland begann sich auch in Lübeck im Spätmittelalter die Kunstform des Theaters, die jedoch noch an Institutionen gebunden war und mit Laiendarstellern aufgeführt wurde, zu entwickeln. Beispiele dieser frühen Form des Theaters sind Schulspiele, wie sie in Lübeck im Katharineum stattfanden und geistliche Spiele in den Kirchen. 1639 ist zum ersten Mal der Auftritt einer Wanderbühne, die anfangs noch auf dem Marktplatz auftraten, in Lübeck nachweisbar; der erste Schritt in Richtung einer freien Bühne. Seit 1710 findet man Ankündigungen der Wanderbühnen in den Lübecker Anzeigen und die Auftritte fanden nun auch in dem Haus des Malers Heinecke statt. Da die Schauspielertruppen 1/3 ihrer Einnahmen an das St. Annen Armenhaus abgeben mussten, findet man in den Büchern von St. Annen Nachweise über Truppen, die in der Hansestadt waren. Ab 1742 traten die Wanderbühnen dann öfter in dem Haus des Zimmermeisters und Theaterfreundes Hermann Hinrich Schröder auf, der 1751 von der Stadt das Theaterprivileg für sein Haus verliehen bekam. Aufgrund der größer werdenden Ansprüche sowohl des Publikums als auch der Theatertätigen, eröffnete Schröder 1753 im von ihm umgebauten "Lüneburger Hof" in der Beckergrube ein Logentheater. Das Theaterprivileg galt auch für das neue Haus und wurde auf 40 Jahre verlängert, es gab jedoch noch kein eigenes Ensemble. Im April 1753 fand die erste Opernaufführung statt. Nachdem Schröder das Theater am 29.07.1776 an die Brüder Hinrich und Johannes Ebbe verkauft hatte, nun hieß es "Ebbesches Theater", gab es 1799, nach Problemen mit den Wanderbühnen, das erste stehende Theater in Lübeck unter der Leitung von Friedrich August Leopold Löwe, dem ersten Intendanten Lübecks. 1800 wurde das erste Abonnement in Lübeck angeboten, mit dem man zweimal die Woche billiger ins Theater kam. Unter der französischen Besetzung gingen die Einnahmen des Theaters drastisch zurück, den Bürgern fehlte das Geld. Doch auch nach den Befreiungskriegen besserte sich die Situation nicht, erst während der Gründerzeit ging man wieder ins Theater, jedoch passte das kleinstädtische Haus nun nicht mehr ins Bild, und so musste das "Ebbesche Theater" am 03.03.1857 schließen. Ganz im Geist der Gründerzeit wollte man nun ein repräsentatives Gebäude für den Spielbetrieb errichten. Zu diesem Zweck wurde die Casino AG gegründet, die aus Senatsmitgliedern und Repräsentanten der Kaufmannschaft bestand. Als Grund für den Neubau, der am 03.03.1858 eröffnet wurde, wählte man das alte "Ebbesche Theater" und zwei Nachbarhäuser. Nach dem großen Theaterbrand in Chicago von 1903 musste das Theater mit Senatsbeschluss vom 17.11.1904 zu Ostern 1905 wegen verschärfter Gesetze zur Feuersicherheit, welchen das Haus nicht genügte, wieder schließen. 1905 wurde eine Theaterbaukommission von der Bürgerschaft ins Leben gerufen, die sich um alle Fragen zum Bau eines neuen Theaters kümmern sollte. Mitglieder dieser Kommission waren Dr. Th. Eschenburg, Dr. J. Meyer, Dr. G. Prieß, R. Köhn, M. Buchwald, Th. Sartori und S. Mühsam. Nach Diskussionen über den geeigneten Platz für das Theater wurde sich schließlich auf Vorschlag des Baudirektors Baltzer auf den angestammten Platz in der Beckergrube geeinigt. Am 25.09.1905 beschloss die Bürgerschaft den Neubau. Schon am 09.10.1905 hob sie diesen Beschluss jedoch wieder auf und lehnte den Ankauf von Grundstücken ab. Erst durch das Einschreiten Emil Posehls, welcher der Stadt bei Beschluss zum Neubau bis 31.12.1905 die Schenkung der benötigten Grundstücke anbot, gab es am 29.12.1905 einen Bürgerschaftsbeschluss auf Antrag des Senats zum Neubau des Theaters. Beauftragt wurde nach einem öffentlichem Wettbewerb der Architekt Martin Dülfer, der 1907 mit dem Bau seines Jugendstiltheaters beginnen konnte. Am 01.10.1908 wurde das neue Stadttheater feierlich eröffnet. 1909 wurde eine Theaterbehörde geschaffen, welche die Aufgaben der Theaterbaukommission übernahm, sofern sie nicht den eigentlichen Bau des Theaters betrafen. Die Aufgaben der neuen Behörde umfassten also im Einzelnen: Verwaltung des Stadttheaters, des Saalbaus und des Theaterrestaurants; Vertragsschließung mit dem Theaterdirektor und dem Pächter des Saalbaus; Überwachung des Theaterbetriebs und der Vertragseinhaltung. Die Theaterbehörde bestand aus 2 Mitgliedern des Senats und 5 Mitgliedern der Bürgerschaft. Der Baudirektor für Hochbau war beratendes Mitglied. Per Gesetz wurde die Zahl der bürgerlichen Deputierten 1918 auf 7 erhöht. Bis in die 1920er Jahre trug der Intendant das finanzielle Risiko selbst, ihm wurde das Theater von der Stadt verpachtet. Jedoch hatte die Stadt durch Beteiligungen am Gagenetat ein Einsprache- und Mitspracherecht. Erst seit 1923 wurde der Direktor fest besoldet und von der Stadt bezahlt, da das Theater in diesem Jahr zum Regiebetrieb der Stadt wurde. 1917 übernahm die Theaterbehörde die Bewirtschaftung der Stadthalle (Mühlenbrücke) von der Finanzbehörde. Ab 1925 gibt es die Kammerspiele, durch Entdeckung des ehemaligen Ballsaals als zusätzliche Spielstätte. Im Herbst 1933 gingen die Aufgaben der Behörde auf die Reichstheaterkammer, einer Einzelkammer der von Joseph Goebbels geleiteten Reichskulturkammer, über. Am 15.05.1934 wurde auch das Lübecker Theater durch das Reichstheatergesetz der Führung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda unterstellt. Den Bombenangriff auf Lübeck vom 29.03.1942 überstand das Theater nur unbeschadet, weil der Opernsänger Hermann Rohrbach, der damalige Intendant Robert Bürkner und der Inspizient Georg Stolte die durchs Dach geschossenen Bomben auf die Straße warfen, bevor sie im Theater explodieren konnten. Am 03.08.1944 wurde allen Theatern im Land der Betrieb untersagt. Seit Ende des Krieges 1945 stand das Theater für ein Jahr unter britischer Besatzung, in dieser Zeit war das Theater nur den Besatzungstruppen geöffnet. Mit Wiederaufnahmen des Spielbetriebes am 29.09.1946 war die Kultusverwaltung wieder die zuständige Behörde. 1961 wurde das Theater nach einem Senatsbeschluss für 3 Jahre von dem eigenständigen Amt für Theater und Konzerte geleitet. Zuerst war dieses Amt dem Bürgermeister, seit 1962 dann einem Senatsmitglied unterstellt. Seit 1964 befanden sich die Bühnen wieder beim Amt für Kultur. 1992 wurde die Schließung des Theaters zur Spielzeit 1992/93 von der Baupolizei aus Sicherheitsgründen angeordnet. Zwischen 1993 und 1996 wurde das Theater umfassend saniert, seitdem gibt es nur noch Oper und Schauspiel, das Ballett musste aus Kostengründen aufgegeben werden. Die letzte Aufführung des Balletts fand am 12.03.1995 statt, in "Dance and Dancers" tanzte das Ballett seine eigene Auflösung. Der Spielbetrieb des Theaters ging während der Sanierung an Ersatzspielstätten weiter. Die Pläne für die Sanierung lieferte der Theaterplaner Walter Huneke, verantwortlich war das Architektenbüro GPK Architekten GmbH. Ohne die große Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung hätte das Sanierungsvorhaben nie umgesetzt werden können. Die Landesregierung, die Possehlstiftung, die Gesellschaft der Theaterfreunde, viele andere Lübecker Vereine sowie die Bürger Lübecks unterstützten das Projekt der Sanierung tatkräftig. Der Schwerpunkt der Sanierungsarbeiten wurde auf die Restaurierung der Jugendstilausstattung gelegt, die im Laufe der Jahre von vielen Umbauten verdeckt worden war. Mit einem Festakt am 26.04.1996 wurde das Theater feierlich wiedereröffnet. 1997 wurden die Städtischen Bühnen in die Lübecker Theater gGmbH umgewandelt. Gesellschafter waren anfangs die Hansestadt Lübeck, die Gesellschaft der Theaterfreunde Lübeck und die Landkreise Nordwest-Mecklenburg, Ostholstein und Herzogtum Lauenburg. Heute sind die Hansestadt Lübeck mit 50% und mit jeweils 12,50% der Kreis Herzogtum Lauenburg, die Kaufmannschaft zu Lübeck, der Landkreis Nordwestmecklenburg und die Gesellschaft der Theaterfeunde e.V., Lübeck Gesellschafter. Seit der Spielzeit 2007/2008 besteht die Theaterleitung nicht mehr aus einem Intendanten, sondern aus einem 3-köpfigen Direktorium.

Literatur:
Kost, Katharina und Smith, Sidney: Theater Lübeck. Geschichte, Räume, Höhepunkte,
Menschen. Hrsg. von der Theater Lübeck gGmbH. Lübeck: Schmidt-Römhild, 2008

Tschechne, Wolfgang: Lübeck und sein Theater: Die Geschichte einer langen Liebe. Hrsg.
von der Gesellschaft für Theaterfreunde Lübeck. Reinbek bei Hamburg: Dialog Verlag,
1996

Fischer, Dr. Ernst H.: Lübecker Theater und Theaterleben: In frühster Zeit bis zur Mitte des
18. Jahrhunderts. (Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte einer norddeutschen Bühne bis
zum Jahre 1756). Lübeck: Buchdruckerei Leopold Heise, 1932 (Veröffentlichungen der
Gesellschaft Lübecker Theaterfreunde, Bd. 2)

http://www.theaterluebeck.de

Verweise:
NSVA I, Theaterbaukommission
NSA, Theaterwesen
Neue Lübeckische Blätter und Lübecker Anzeigen

2. Intendanten des Theater Lübeck

1799 - 1810 Friedrich August Leopold Löwe
1810 - 1815 F .A. L. Löwe / Carl Becker
1815 - 1818 H. P. F. Hinze
1818 - 1821 H. P. F. Hinze / Huber
1821 - 1824 Graf von Hahn-Neuhaus
1824 - 1827 H. Santo
1827 - 1831 G. F. Engel
1832 - 1934 M. Ulbrich / W. Gerstel
1834 - 1837 Carl Schütze
1837 - 1838 Carl Schütze / A. Drechmann
1838 - 1849 Friedrich Engel
1849 - 1850 J. Steiner / A. Brunner
1850 - 1864 Friedrich Engel
1864 - 1868 Leopold Riel
1868 - 1871 Carl Gaudelius
1871 - 1873 Frau Gaudelius / Friedrich Engel
1873 - 1874 Bruno Langer
1874 - 1876 Peter Grevenberg
1876 - 1878 Paul Borsdorff
1878 - 1882 Richard Jesse
1882 - 1885 Walter Hasemann
1885 - 1886 Sigmund Lauterberg
1886 - 1898 Friedrich Erdmann-Jeßnitzer
1898 - 1900 Max Heinrich
1900 - 1905 Franz Gottscheid
1905 - 1908 Ludwig Piorkowsky
1908 - 1911 Georg Kurtscholz
1911 - 1918 Stanislaus Fuchs
1918 - 1923 Paul von Bongardt
1923 - 1925 Dr. Georg Hartmann
1925 - 1929 Dr. Thur Himmighofen
1929 - 1932 Dr. Otto Liebscher
1932 - 1934 Dr. Edgar Groß
1934 - 1943 Robert Bürkner
1943 - 1944 Dr. Otto Kasten
1945 - 1947 Friedrich Sims
1947 - 1951 Dr. Hans Schüler
1951 - 1959 Dr. Christian Mettin
1959 - 1964 Arno Wüstenhöfer
1964 - 1968 Walter Heidrich
1968 - 1978 Karl Vibach
1978 - 1991 Hans Thoenies
1991 - 2000 Dietrich von Oertzen
2000 - 2007 Marc Adam
seit 2007 Direktorium:
Christian Schwandt (Geschäftsführender Theaterdirektor)
Roman Brogli-Sacher (Operndirektor)
Pit Holzwarth (Schauspieldirektor)


3. Bestandsgeschichte

Die Akten des Theaters kamen in vier Ablieferungen ins Archiv. Die ersten 1927und 1937 von der Theaterbehörde , 1983 von den Bühnen der Hansestadt Lübeck und 2009 von der Theater Lübeck gGmbH. Leider gingen durch die Beschlagnahme des Theaters durch die Besatzungstruppen 1945 und der Auslagerung während des Krieges viele Unterlagen verloren.

Die gesichteten Unterlagen der Ablieferung von 2009 entsprachen ca. 86 lfm, davon nicht ins Archiv übernommen wurde vor allem das Notenmaterial. Archiviert wurden vor allem Spielpläne, Programme und Kritiken. Die Archivalien stammen aus den Jahren 1902-2006. Akten der 1950er und 1960er Jahre sind leider nur noch unvollständig vorhanden. 7 lfm Fotos der Jahre 1954-2000 wurden vom Theater zur Archivierung dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte übergeben.

Laufzeit: 1902-2006
Gesamt-Umfang: 10,5 lfm

4. Methoden der Ordnung

Die Archivalien wurden durch eine fortlaufende Nummerierung mit Signaturen versehen. Im Archiv des Theaters wurden die Akten in Kartons nach inhaltlichen Schwerpunkten gelagert, besaßen jedoch keine Signaturen, die hätten übernommen werden können. Die Titel wurden so weit wie möglich übernommen, manchmal jedoch zum besseren Verständnis erweitert oder umbenannt. Jede physische Akte bekam eine eigene Signatur.


Lübeck, März 2010 Miriam Johannsen
Zeitraum von: 1905
Zeitraum bis: 2006
Inhalt: Theaterbetriebsverträge, Staatszuschüsse, Intendanten und (künstlerisches) Personal, Spielpläne, Kritiken, Fotos von Theateraufführungen
Erschließungszustand/Umfang: Verzeichnis (1951), Ablieferungsliste (1995)
7 lfm
Benutzungsbeschränkung: teilweise Datenschutz
Verwandte Bestände: NSA V, 1 Theaterbaukommission
Verwaltungsgeschichte: Mit Gesetz vom 8. Dez. 1909 wurde die Theaterbehörde nach der Fertigstellung des neuen Stadttheaters in der Beckergrube geschaffen. Sie übernahm die Aufgaben der Theaterbaukommission, sofern sie nicht den eigentlichen Bau des Theaters betrafen. Im einzelnen nahm sie folgende Aufgaben wahr: Verwaltung des Stadttheaters, des Saalbaus und des Theaterrestaurants; Vertragsschließung mit dem Theaterdirektor und dem Pächter des Saalbaus; Überwachung des Theaterbetriebs und der Vertragseinhaltung. Die Theaterbehörde bestand aus 2 Mitgliedern des Senats und 5 Mitgliedern der Bürgerschaft. Der Baudirektor für Hochbau war beratendes Mitglied. Per Gesetz wurde die Zahl der bürgerlichen Deputierten 1918 auf 7 erhöht. 1917 übernahm die Theaterbehörde die Bewirtschaftung der Stadthalle (Mühlenbrücke) von der Finanzbehörde. Im Herbst 1933 gingen die Aufgaben der Behörde auf die Kultusverwaltung über. 1961 wurde das Theater wieder für 3 Jahre von dem eigenständigen Amt für Theater und Konzerte geleitet. Seit 1964 befinden sich die Bühnen wieder beim Amt für Kultur. 1997 wurden die Städtischen Bühnen in die Lübecker Theater GmbH umgewandelt.

Die Akten kamen in zwei Ablieferungen (1927 und 1937) von der Theaterbehörde und in einer (1983) von den Bühnen der Hansestadt Lübeck an das Archiv. Bei der Beschlagnahme des Theaters durch die Besatzungstruppen 1945 ging ein großer Teil der Unterlagen, die sich noch dort befanden, verloren.




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