Archiv der Hansestadt Lübeck

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Tektonik: 06 Religionsgemeinschaften
. 06.1 Evangelisch-lutherische Kirchengemeinden in Lübeck
..Bestand: 06.1-5 - Dom


Inhalt: Rechnungsbücher 1584-1871, Kirchenbücher 1576-1874, Begräbniswesen 1554-1900, Domschule, St. Jürgen
Verwandte Bestände: Urkunden Sacra B 1, ASA Ecclesiastica, ASA Externa Bistum Lübeck; für das Mittelalter generell sowie für die Institutionen des Bischofs und des Domkapitels: Landesarchiv Schleswig-Holstein
Literaturhinweis: Urkundenbuch des Bistums Lübeck: Band I, bearb. von Wilhelm Leverkus (Nachdruck Neumünster 1994); Band II - V, bearb. von Wolfgang Prange (zugleich Schleswig-Holsteinische Urkunden und Regesten Bd. 13-16) Neumünster 1994-1997. -
Wolfgang Prange, Bischof und Domkapitel. Hochstift, Fürstentum und Landesteil Lübeck 1160-1937. Lübeck 2014. - 800 Jahre Dom zu Lübeck. Herausgegeben vom Kirchenvorstand der Evangelisch-lutherischen Dom-Gemeinde zu Lübeck. Lübeck 1973, darin: Gerhard Meyer, Ausgewählte Schriften zum Bistum Lübeck und seinem Dom S.154-164.
Verwaltungsgeschichte: a. Die Geschichte des 1163 geweihten Doms in Lübeck beginnt mit der Verlegung des Bistums aus Oldenburg/Holstein 1160 nach Lübeck, das damit Sitz des Domkapitels wurde, während sich der Bischof seit etwa 1300 in seine Stadt Eutin zurückzog und nur noch zu wichtigen kirchlichen Anlässen nach Lübeck kam. Der Einfluß der Stadt - schon seit dem 15. Jh. waren die Domherrenstellen vielfach von Bürgerssöhnen besetzt worden - verstärkte sich endgültig durch die Einführung des Summepiskopats des Rates nach der Reformation. Das Domkapitel behielt aber die Aufsicht über Gebäude, Bedienstete, Kapital und Stiftungen. So blieb Lübeck das einzige protestantische Bistum des Alten Deutschen Reiches. Als Sekundogenitur der Gottorfischen Herzöge teilte es deren Schicksal und wurde 1773 Teil des Herzogtums Oldenburg.

Schon seit Beginn diente der Bereich "unter den Türmen" als Pfarrkirche (mit Nicolai-Patrozinium) für die umwohnende Bevölkerung. 1535 wurde die evangelische Predigt eingeführt, aber erst 1571 auch der Chorbereich an das protestantische Geistliche Ministerium der Stadt abgetreten. Nach Aufhebung des Domkapitels durch den Reichsdeputationshauptschluß kam der Dom 1804 durch Vertrag mit dem Herzog von Oldenburg an die Stadt Lübeck.

Zur Vorsteherschaft der Dompfarrei gehörten seit der Reformation nur die beiden ältesten Bürgermeister und das Domkapitel, jedoch keine bürgerlichen Vertreter des Kirchspiels. Erst in der Kirchengemeindeordung für die Stadt Lübeck und St. Lorenz von 1860 wurden die Aufgaben der Vorsteher auf die Gemeinde übertragen. - Der Dom war auch zuständig für den Gottesdienst in der St. Jürgen-Kirche vor dem Mühlentor und mit der Verwaltung des gleichnamigen Siechenhauses (und der späteren St. Jürgen-Schule) befasst.


b. Im Mittelalter sorgten sowohl Bischof wie auch Domkapitel für Aufbewahrung und Verzeichnung ihrer Urkunden und Akten, die sich heute im Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig befinden. Die gemäß Vertrag zwischen Stadt und Fürstentum Lübeck 1804 ins Eigentum der Stadt übergegangene Bibliothek des Domkapitels wurde der Stadtbibliothek übergeben.

Die vorliegenden Archivalien der Dompfarrei stammen also aus der Zeit nach der Reformation. Verwahrt in zwei Schränken (einem großen = A und einem kleinen = B), gelangten sie mit einem Verzeichniss 1908 (Nr. 248 des vorliegenden Bestandes) an das Staatsarchiv Lübeck. Die Kirchenbücher waren schon bei Einführung der Zivilstandsregister durch die Franzosen 1811 an das Archiv überführt worden.

Während die Amtsbücher das einst kriegsbedingte Auslagerungsschicksal des Archivs der Hansestadt Lübeck 1942-1987/90 fast unbeschadet überstanden haben, kehrte der Aktenbestand nur mit großen Lücken zurück. So fehlen - um nur einiges zu nennen - die Unterlagen über Altar, Kunstgegenstände, Armenpflege, Kirchenverfassung, Orgel und Uhr.

Der Ordnungszustand der nach Lübeck zurückgekehrten Akten war derart zerstört, dass eine Neuformierung durchgeführt werden musste, da nicht immer die Identifizierung mit alten Signaturen möglich war. Die alphabetische Ordnung des Verzeichnisses von 1908 wurde aufgelöst.

Die vorliegenden Unterlagen im Archiv der Hansestadt Lübeck werden ergänzt durch die Urkundenbestände Episcopalia und Sacra B 1 sowie die Bestände des Alten Senatsarchivs Ecclesiastica (Dom) und Externa (Bistum Lübeck).

Für das Mittelalter generell sowie für die Institutionen des Bischofs und des Domkapitels ist das Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig zuständig.

Gedruckte Quellen und Literatur

Urkundenbuch des Bistums Lübeck: Band I, bearb. von Wilhelm Leverkus (Nachdruck Neumünster 1994); Band II - V, bearb. von Wolfgang Prange (zugleich Schleswig-Holsteinische Urkunden und Regesten Bd. 13-16) Neumünster 1994-1997. -
Wolfgang Prange, Bischof und Domkapitel. Hochstift, Fürstentum und Landesteil Lübeck 1160-1937. Lübeck 2014. - 800 Jahre Dom zu Lübeck. Herausgegeben vom Kirchenvorstand der Evangelisch-lutherischen Dom-Gemeinde zu Lübeck. Lübeck 1973, darin: Gerhard Meyer, Ausgewählte Schriften zum Bistum Lübeck und seinem Dom S.154-164.

Umfang des Bestandes: 6 lfd.
Zitierweise: 6.1-5 Dom Nr. x

Lübeck, im März 2014 Antjekathrin Graßmann




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